Na srebrnym globie (Der silberne Planet)

Andrzej Żuławski | 1988 | 166 Min. | PL/de
09.01.2027 | WE WILL SEE Science Fiction Day | Kino Excelsior | Badenerstrasse 3/5, 5200 Brugg | Türöffnung: 08.30 | Einführung und Film: 09:00 | Einzeltickets: 17.00 CHF | Tagespass: 60.00 CHF

Der polnische Science-Fiction-Film «Na srebrnym globie» wird von der Kritik in höchsten Tönen gelobt. «Der silberne Planet» gilt als einer der radikalsten, visionärsten und exzessivsten Filme des Genres. Er besticht durch spektakuläre Bildwelten, rauschhafte Szenerien und seine philosophische Tiefe.

Auf der Suche nach Freiheit flieht eine kleine Gruppe von Astronauten von einer totalitären Erde. Sie stranden auf einem unbewohnten, erdähnlichen Planeten. Ihr Raumschiff ist irreparabel zerstört. Sie richten sich auf dem Planeten ein und pflanzen sich fort. Erstaunlicherweise wachsen und altern ihre Nachkommen jedoch wesentlich schneller als sie selbst. Die Nachkommen der Astronauten entwickeln eine Gesellschaft, die von schamanistischen Ritualen geprägt ist. Den noch lebenden Astronauten Jerzy («der alte Mann») verehren sie wie einen Halbgott. Seine Erinnerungen an die Erde behandeln sie wie Offenbarungen. Als sich die Menschen auf dem silbernen Planeten ausbreiten, kommen sie in Kontakt mit den «Schernen». Dabei handelt es sich um einäugige, geflügelte Wesen, Angehörige einer höher entwickelten Zivilisation. Als Generationen später ein Besucher von der Erde den Planeten erreicht, wird er als Messias gefeiert. Damit stürzt er den Planeten ins Chaos.

Andrzej Żuławski sorgte bereits 1972 mit seinem Film «Diabeł» für einen Skandal. Der Historienfilm spielt im 18. Jahrhundert, als Polen von preussischen Truppen besetzt war. Eine Anspielung auf die Sowjetunion, die er – wie die Preussen – als Besatzungsmacht in seinem Land wahrnahm. Die Hexenverfolgung und das Inquisitionstribunal des 18. Jahrhunderts inszenierte er als Parabel auf den Justizapparat des kommunistischen Polens. Zumindest wurde das von den Behörden so interpretiert. Der Film wurde verboten. Žuławski wurde aufgefordert, das Land zu verlassen. In Frankreich produzierte er 1975 den Film «L’important c’est d’aimer» mit Romy Schneider. Der Film war ein internationaler Erfolg und bewegte die polnischen Kulturbehörden schliesslich dazu, Żuławski wieder zurückzuholen. Sie boten ihm an, ein Projekt seiner Wahl zu realisieren. Żuławski zögerte nicht lange. Er sah die einmalige Chance, einen alten Traum zu verwirklichen. Die Verfilmung der «Mondtrilogie» seines Grossonkels Jerzy Żuławski. Dabei handelt es sich um eines der frühesten Werke des Science-Fiction-Genres, dessen erster Band bereits 1903 publiziert wurde.

Ausgestattet mit einem grosszügigen Budget begann er 1975 mit dem Schreiben des Drehbuchs. Im Folgejahr starteten die Dreharbeiten in Polen, auf der Krim, in der Wüste Gobi und im Kaukasus. Nach zehn Monaten Dreharbeiten, im Frühjahr 1977, als noch drei Wochen zu drehen waren, befahl der neue Kulturminister Janusz Wilhelmi, die Dreharbeiten einzustellen. Er interpretierte die Flucht der Astronauten vor dem Totalitarismus als versteckte Kritik am realexistierenden Kommunismus. Einen durch den Messias entfachten Aufstand gegen die «Schernen» deutete er als Allegorie für das Aufbegehren des polnischen Volkes gegen die Truppen des Warschauer Pakts. Wie schon bei «Diabeł» wurde Żuławski vorgeworfen, subversive Botschaften zu verbreiten – damals im Medium des Historienfilms, nun in Form einer Zukunftsvision. Filmnegative, Kostüme und Kulissen wurden beschlagnahmt. Żuławski sah sich gezwungen, sein Projekt aufzugeben. Er verliess. Polen und kehrte nach Frankreich zurück. Erst acht Jahre später, im Jahr 1987, zur Zeit von Glasnost und Perestroika, war er in der Lage, die Filmnegative zurückzuerhalten. Die Dreharbeiten konnten allerdings nicht ohne Weiteres fortgesetzt werden. Schauspieler:innen, Schauplätze und Requisiten standen nicht mehr zur Verfügung. Um die Lücken in der Erzählung zu schliessen, filmte er – ohne Genehmigung der Behörden – Strassenszenen aus dem Polen der Gegenwart, die er mit seinem Science-Fiction-Film verwob. Ausserdem musste er den verschwundenen Soundtrack neu erstellen.

Patricia Pfeifer kontextualisiert den Film und seine Wirkungsgeschichte. In ihrer Dissertation hat sie sich mit den vielfältigen Formen des Verstehens im Kino Mittel- und Südosteuropas auseinandergesetzt. Der polnische Film und insbesondere das Werk von Żuławski gehören zu ihren Steckenpferden. Für den Filmzyklus «royalscandalcinema» hat sie bereits mehrere Filme eingeführt, darunter «W. R. Misterije Organizma», «Sweet Movie» und «Reconstituirea».

«royalscandalcinema» zeigt «Na srebrnym globie» im Rahmen des We Will See Science Fiction Days im Kino Excelsior an der Badenerstrasse 3/5,  5400 Brugg, am Samstag, 9. Januar 2027 als Mattinévorstellung mit Start um 9.00 Uhr.

Einzeltickets: 17.00 CHF | Tagespass: 60.00 CHF | Weitere Infos: https://wewillsee.ch