Juzo Itami | 1992 | 123 Min. | JP/de
16.07.2026 | Freiluftkino Baden | Parkhaus Gartenstrasse, Gartenstrasse 20, 5400 Baden | Bar: 17.30 Uhr | Referat und Film: 20:30 | 15.00 CHF
Diesen Sommer findet das Freiluftkino Baden zum zwanzigsten Mal statt. Das Team von «royalscandalcinema» feiert mit und reist mit einem Gastprogramm aufs Parkhausdach. Am 16. Juli 2026 zeigen wir «Minbō», eine japanische Komödie, die zu einem Umbruch im Umgang mit der Yakuza führte. Einführung durch Melanie Müller.

Ein traditionsreiches japanisches Hotel bemüht sich um einen prestigeträchtigen Auftrag als Veranstaltungsort für ein Gipfeltreffen wichtiger ausländischer Amtsträger und Diplomaten. Gleichzeitig ist das Hotel im Visier der Yakuza und muss regelmässig Schweigegeld abliefern. Um die Gangster loszuwerden, engagiert das Hotel eine Anwältin, die sich bestens darauf versteht, mit der Yakuza umzugehen – nach ihren eigenen Regeln.
Die Komödie war beim Publikum äusserst beliebt und feierte auch internationale Erfolge. «Minbō» macht sich über die Yakuza lustig. Im Film werden die Yakuza-Mitglieder als feige Schläger dargestellt, die zwar bedrohlich wirken, in der Tat aber schwach und nicht allzu schlau sind. Das entsprach nicht dem Selbstbild der Yakuza. Die imaginieren sich als edle Ritter, als moderne Samurai. Erst recht entsprach es nicht ihrem Selbstverständnis, Ziel von Gespött und Satire zu werden.
Nur wenige Tage nach dem Kinostart wurde der Regisseur Juzo Itami vor seinem Haus von Mitgliedern einer Yakuza Bande angegriffen. Sie zerschnitten ihm das Gesicht und verprügelten ihn übel. Die Brutalität des Angriffs, verbunden mit Itamis Popularität und dem Erfolg von «Minbō», führte zu einem öffentlichen Aufschrei und einem harten Vorgehen der Regierung gegen die Aktivitäten der Yakuza.
Schon vor «Minbō» hatte sich Juzo Itami als einer der eigenwilligsten und sozial engagiertesten Filmemacher Japans einen Namen gemacht. Der ehemalige Schauspieler, der in über 60 Filmen mitwirkte, wechselte in den 1980er Jahren zur Regie und erlangte schnell Anerkennung für seinen unorthodoxen, respektlosen Stil. Sein Debütfilm «Ososhiki» (Die Beerdigung) von 1984 setzte sich – äusserst ironisch – mit japanischen Trauerritualen auseinander. Im Folgejahr erlangte er mit «Tampopo» einen internationalen Kult-Hit. Die Ode eines Feinschmeckers an Ramen im Modus eines Spaghetti-Westerns. Darauf folgte mit «Marusa no Onna» (1987) eine kühne Kritik an Finanzkorruption und Steuerhinterziehung, die Itami den Japan Academy Prize für den besten Film und die beste Regie einbrachte.
Er richtete seine Kamera auf die Absurditäten und Heucheleien des Alltags. Mit jedem Film schärfte er seinen Blick auf japanische Institutionen, Bräuche, Bürokratie und Geschlechterrollen.
Anfang der 1990er Jahre durchlief die Yakuza einen Wandel. Sie hielten sich nicht mehr nur im Verborgenen auf. Sie hatten sich fest in Japans Bubble-Wirtschaft der späten 1980er Jahre eingebettet. Sie hatten ihre Aktivitäten auf die Bereiche Bauwesen, Unterhaltung und Immobilien ausgeweitet. Obwohl sie technisch gesehen illegal waren, agierten viele Yakuza-Gruppen offen, mit Büros, Visitenkarten und einer verschlüsselten Form von Legitimität. Ihr öffentliches Image, das zum Teil vom Kino geprägt war, schwankte zwischen brutaler Kriminalität und einem stilisierten, ja sogar romantisierten Ehrenkodex. In diesem Kontext war «Minbō» ein Schlag ins Gesicht. Der Film nahm diesen Figuren den filmischen Glanz, der sie lange umgeben hatte, und zeigte sie stattdessen als erbärmliche Erpresser, die sich an den Schwachen bereicherten und auf ritualisierte Einschüchterung setzten. Was folgte, war eine erschreckende Erinnerung daran, dass Satire, wenn sie furchtlos eingesetzt wird, nicht nur Gelächter, sondern auch Vergeltung hervorrufen kann.
Der Film und die Debatten, die er auslöste, werden eingeführt durch die Melanie Müller. Die Japanologin forscht und lehrt am Asien-Orient-Institut der Universität Zürich.
Infos zur Vorführung im Freiluftkino:
Bar: 17:30 | Küche: 18:00 | Kinokasse: 19:00 | Referat und Film: 21.30
Tickets über Freiluftkino beziehen | 19.00 CHF | Vorverkauf ab Ende Mai 2026 | Sitzplätze teilweise überdacht | Freie Platzwahl
Durchführung bei jedem Wetter ausser bei Sturm.
Zum Freiluftkino: https://freiluftkino-baden.ch/
